Was im Abfluss so hängt
So Kinderchen,
lange ists her das was geschrieben wurde. Ich musste erstmal meine Gedanken sortieren.
Also was gibt es. Ich habe die Zivi-Stelle gewechselt, die die es interessiert wissen warum, alle anderen fragen nach, dann interessiert es euch nämlich auch und kurz danach wisst ihr es auch. Ich bin in einem kleinen, aber feinen Pflegeheim in Winderhude untergekommen. Ich schiebe Rollstühle, reiche Essen an für Menschen die das nicht mehr alleine schaffen, ich mache Betten (galore!) und halt noch was noch so anfällt, achja Briefträger bin ich auch. Das Gute: Die Dankbarkeit dieser teilweisen echt fertigen Menschen für Sachen die einigen Menschen die jünger, mobiler usw. selbstverständlich erscheinen. Ich bin heute in eine Apotheke um ein Medikament zu besorgen, keine Ahnung was. Keine große Sache, weil die Apotheke gleich gegenüber ist und wahrscheinlich hat das irgendjemand, irgendwann schon 1000 Mal gemacht für diese Frau, ihre Dankbarkeit kannte trotzdem keine Grenzen. Allgemein könnte man eigentlich sagen, dass die Bewohner die noch relativ fit und mobil sind eher die von der Unfreundlichkeitsfraktion sind, aber wie das bei Verallgemeinerungen so ist existieren sie nur zusammen mit Ausnahmen.
Und sonst? Ich gewöhne mich langsam an 12-Stunden-Tage, nicht dass ich so lange arbeiten müsste. Aber ein paar irre, geistig umnachtete Kollegen haben ohne das vorher noch einmal abzusprechen zu einem der Geschäftsführer der ver.di Jugend Hamburg gewählt. Ich hatte zwar mal angedeutet, dass ich dafür zur Verfügung stünde (Konjunktiv unbedingt beachten!) aber nie fest zugesagt. Irgendwann kriegte ich dann einen Anruf ("Herzlichen Glückwunsch!" "ich hab doch noch gar nicht Geburtstag!"...usw.) Naja, ich wollte und konnte dann auch nicht ablehnen, aber es macht auch riesig Spaß. Die Termine im Kalender haben sich dadurch und dadurch, dass in Hamburg in 3 Wochen Bürgerschaftswahl ist ungefähr verfünffacht, deswegen auch die 12-Stunden-Tage. Gut, dass das aber nicht jeden Tag ist. Die Belastung ist spürbar, aber ich finde es grade gut so, es lenkt ab und ist vorallem wichtig.
So und damit die Koketterie kein Ende nimmt, ich habe es nach fast einem Jahr geschafft die Doktorarbeit von Rudi Dutschke "Versuch Lenin auf die Füße zu stellen" abzuarbeiten. Ich bin da ein kleinwenig Stolz auf mich, nicht weil ichs durchhabe sondern sogar die Zusammenhänge begreife. Der Titel der arbeitet steht in der Tradition von Marxscher Dialektik, der Methode zur Kritik der politischen Ökonomie, in der Marx den Idealismus des Philosophen Hegel "auf die Füße stellt". Ausgehend von dieser Dialektiktheorie analysiert Dutschke, sehr treffend wie ich finde, den russichen Weg zum Sozialismus (Lenin), sowie die westeuropäischen Ableger im frühen 20. Jahrhundert (KPD, KP Ungarn und andere) und entwickelt eine tief differenzierte Leninkritik. Dutschke weicht hier ab von der "Solidarität-um-jeden-Preis-Mentalität" und übt hier eine kritische Solidarität, die meiner Meinung nach bessere. Okay genug davon.
Am Wochenende stehen zwei Geburtstag und ein Umzug, bei dem ich helfe an. Ich sollte mich mal ausruhen.
"Sozialismus mit konkreter Freiheit oder modernisierte Barberei - das ist erneut die Frage" - Dutschke im Schlussatz der Dissertation. Wobei hier nicht die von der Sowjetunion oder ihren in der 3. Internationale unterstehenden Staaten propagierte Freiheit gemeint ist. Sondern als Freiheit des "aufrechten Gangs" der Menschen und nicht als eine verkauft des Kapitalismus oder einer sozialisitischen Weiterentwicklung des Kapitalismus (sowjetische Staatssozialismus).
Jetzt ist aber gut. Herrgott.
Aber noch was auf die Ohren:
give answers to the questions we have asked
it's their common sense their ignorance to guide us through the night
whatever couldn't kill us make us stronger makes us last
we speak a different language and we stand on different feet
we're travelling with a different kind of speed
in this city in denial in this country full of greed
we've forgotten who we are and what we need
come on please stay
cause I'm a little bit paranoid now
I'm scared I'm afraid once again
we have promised not to follow the blind masses and their hallows
while they're dancing around their kkids their cash their cars
and we have promised to foresake us when life is going to break us
we promised to stay hungry until we pass
come on please stay
cause I'm a little bit paranoid now
I'm scared I'm afraid once again
it is the darkness it's the dawn that leads us to another day
the bitterness to guide us through the night
it's their common sense their ignorance that opens up the way
as long as we're surrounded by the light





