Wie so ein Zivi den Tag meistert
Was macht man eigentlich als Zivi im nem Altenheim? Das fragen sich bestimmt viele oder wenige.
Mein Tag beginnt damit, dass ich mich umziehe, denn wir haben natürlich Arbeitskleidung, wie sich das gehört. Wenn ich etwas in diesen 9 Monaten gelernt haben werde, dann dass mir weiss unglaublich gut steht. Ausserdem strahlt das eine gewisse medizinische Kompetenz aus, die ich nicht habe. Man muss dazu sagen, dass es für mich weder Umkleide noch Spint gibt und ich so gezwungen bin auf die Toilette zu gehen. Meine Sachen kommen dann in einen Schrank einer Bewohnerin die eh nicht mehr viel merkt und nur Nachthemden braucht, dementsprechend Platz ist in ihrem Schrank. Alles ok soweit. Danach geht es zu Frau S., Frau S. ist schätzungsweise zwischen 75 und 85 und gerade morgens recht weinerlich. Frau S. möchte zum Frühstück immer "hinauf" in den Speisesaal, wegen der Gesellschaft und so, die eine andere als wenn man im stationseigenen Essensraum frühstückt. Frau S. bedankt sich immer sehr überschwenglich, dass ich an sie gedacht habe. Auf dem Weg sage ich Frau H. bescheid, dass es Frühstück gibt, Frau H. ist noch so mobil, dass man ihr das auch nur sagen muss und sie sich allein auf den Weg zum Fahrstuhlungetüm macht. Das mit dem Fahrstuhl ist übrigens immer so eine Sache, es gibt Bewohner (aber nicht von meiner Station!) die erleichtern sich dort mal gerne, ich denke aber dass die uns nicht damit ärgern wollen.
Es geht also hoch mit Frau S., sie fragt mich unterwegs ungefähr 23 mal ob ich den Schlüssel auch wirklich zwei mal im Schloss umgedreht habe. Sie vermutet, dass alle Nas lang jemand in ihr Zimmer geht und die Schätze klaut die sie nicht hat.
Wenn Frau S. dann nun endlich da ist wo sie hin will gehts in unsere kleine aber sehr feine Küche, die ich mir mit einer Küchenhilfe teile, die überwiegend nett zu mir ist, wenn sie das nicht sie meint sie das aber nicht so, sagt sie zumindest. Ich zapfe Kaffee und bringe Frühstück auf dei Zimmer von dem Professor, Frau E. und dem Nazi-Gnom. Zur letzteren Frau gibt es gerade von heute eine frische Anekdote, der Name kommt ja nicht von ungefähr, sondern ergibt sich aus der einschlägigen (sehr alten) Literatur in ihrem Bücherregal. Ausserdem hat sich mit heute als "Drecksjude" tituliert, gleich danach nannte sie mich aber Herr von Hohenzollern, den Geldgeber. Alles klar sag ich da nur. Die ärmste ist ja nun sehr dement und vielleicht auch ein bisschen shizo, sonst würde es wohl nicht diese Ausfälle geben, aber die Bücher wie gesagt in ihrem Regal sprechen schon Bände, oh man was für ein Wortspiel.
Die Menschen die in den stationeigenen Essensraum kommen, bekommen dann von mir ihr Frühstück. Entweder stelle ich es ihnen einfach hin oder ich gebe es ihnen noch ein bisschen direkter.
Ab halb 10 gibt es dann verschiedene Aktivitätsprogramme im Haus, lustiges Basteln, Malen oder einfach zum sogenannten "Morgenkreis", da kann man dann auch alles gleichzeitig + Singen. Die meisten dort schlafen aber einfach, von wegen seniler Bettflucht im hohen Alter.
Hat man die Leute vom Frühstück wieder auf die Station oder zu ihrer gewünschten Freizeitaktivität gebracht ist Frühstückspause. Manchmal teilt man vorher noch kurz Wäsche aus. Aprospros Wäsche, ganz weiss ist die zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich nicht mehr. Man hat alle möglichen Flecken in der kurzen Zeit gesammelt, als wenn es Panini WM-Bildchen wären. Kaffee, Marmelade, Honig, Butter, Milchsuppe(ein Haferschleimartiges Gemisch welches die Verdauung wohl anregen soll) - es nicht so, dass ich nicht essen könnte, nur viele Bewohner können es manchmal nicht (richtig), naja das passiert halt.
Nach der Pause versucht man sich irgendwie die Zeit zu vertreiben. Freitags zumindest gucke ich dann die Wiederholung von Harald Schmidt, aber nur bis elf, weil dann der MIttagstisch gedeckt wird und die Leute von ihren Vormittagsschläfchen geweckt werden müssen (das gleich übrigens auch vorm Kaffee mit dem Nachmittagsschläfchen). Man sammelt seine Schäfchen von o.g. Hobbyhighlights wieder ein und holt das Essen aus der Küche. Das muss bzw. darf ich nicht verteilen, das machen andere, es fragt jetzt keiner warum, ok? Warum fragen im Zivildienst ist sowieso so eine Sache, die mit Vorsicht zu genießen ist. Von wegen sich Gedanken machen und so, bzw. eigenständiges Denken.
Nachm Essen möchte natürlich wieder jeder, was wohl, schlafen, ganz genau. Also alle wieder raus ausm Speisesaal und ab ins Bett. Dann nochmal ne halbe Stunde Pause. Kaffee kochen, Kuchen holen, Abwaschen, Müll rausbringen und schon hab ich Feierabend.
So danke für diesen kleinen Ausflug in mein bescheidenes Leben.




