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Kein Platz für Kompromisse

April 21st, 2008 (06:42 pm)
current song: Dakoton-Getrennte Rechnungen

Freitag war ich das erste Mal also in meinem Leben bei einer Geburt dabei. Nein nicht in einem Kreissaal, auch nicht von meinem Sohn oder meiner Tochter, das darf auch noch bisschen warten. Nein ich war live dabei bei der Geburt von Dakoton. Was dieser Name bedeutet weiss keiner so genau, alles und nichts, Wut und Freude, Spaß und Krieg.
Benno, momentan wohl einer der besten Sänger und Gitarristen seines Alters in der Hansestadt und nebenbei Irinas Freunde, hatte eines Nachts mal Langeweile und dachte er könnte eben ein Ein-Mann-Musik-Projekt auf die Beine stellen. Rausgekommen sind zunächst ein paar Songs nebst einem Studiovideo, das uns alle vor unseren Schreibtischstühlen vor Lachen zusammensacken ließen. Mit guten Connections und etwas Glück und dadurch schon einen ungeheuren Vorsprung vor anderen vergleichbaren Künstlern wurden weitere Songs geschrieben. Das ganze war ungefähr vor einem Jahr.

Keine Band, kein Bassist, kein Schlagzeuger, kein zweiter Gitarrist und erst recht keinen Orchestergraben. Der Punk wurde aus einem lange gelglaubten Grab wieder ausgebuddelt und er hat alles alleine aufgenommen, der Benno, als ob das mal eben gar nichts ist. Ist es nicht, das weiss wohl jeder der mal Musik aufgenommen hat, das gute aber, so kommt die Musik daher. Schnörkellos. Geradeaus und trotzdem nicht berechenbar. Aufgenommen hat er also, Stunden um Stunden. Tage um Tage und einige Monate vielleicht. Die Uni will ja auch irgendwie gemeistert werden.

Ich weiss noch, wie Irina Benno und ich ende September im Pub saßen, sie waren gekommen um mich zu verabschieden. Benno suchte gerade nach einer Band, mit der er Dakoton auch live verwirklichen konnte. Etwas mehr als ein halbes Jahr später gab es also das erste Konzert. Benno fragte mich kurz vorher per Camcorder was ich von dem Abend erwarte. Ich sagte "Ich erwarte das geilste Rock n' Roll Konzert, dass ich seit langem gesehen hab". Ich wurde nicht enttäuscht.
Kein Platz für Kompromisse, der Songtitel ist Programm bei Dakoton. Benno hat das kleine Kunstwerk vollbracht sich eine Band zu suchen die perfekt zusammenpasst. Zu ihm, zu seinen Songs. Kann es eine Band schaffen schon beim ersten Konzert eine Harmonie auszustrahlen die ich sonst nur von Thees Uhlmann und Konsorten kenne? Ich dachte eigentlich nicht, ich wurde am Freitag eines besseren beleert. Keine einsamen Poser, keine egotrips hinter Schießbude oder auf den Saiten. Songs zum nachdenken, zum Kopfnicken und zum wild abzappeln. Das Pooca auf dem Hamburger Berg war zurecht voll. Nicht bis zum Platzen voll und das ist auch gut so, aber voll. Welche Band kann das von sich behaupten, bei ihrem ersten Konzert eine der Kultkneipen auf dem Berg gefüllt zu haben. Ich kann mich an die einzelnen Songs gar nicht mehr erinnern. Nur dass ich Irina sagte, dass ich unbedingt T-Shirts verkaufen will für Dakoto, aus zwei Gründen, ich kann die Band dann noch so oft wie möglich erleben und ich kann Einträge wie diese nach jedem Abend schreiben. Mit mehr Erinnerungsvermögen und vielleicht doch noch einer Träne im Knopfloch.

Ansonsten: Ich steuer auf den letzten Monat Zivildienst zu. Eine seltsame Sache, wieder eine Sache abgeschlossen, wieder einen Haken hinter etwas gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, besonders nicht nach dem Start ins Zivi-Leben, aber ich finde es schade, da zu gehen, klammere ich einfach mal die menschenunwürdige Bezahlung aus und bestimmte Führungskräfte, macht es doch echt viel Spaß mit den Menschen dort. Ich denke ich werde noch öfter mal dorthin zurückgehen, nur um mal "hallo" zu sagen.

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